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Der Löwe brüllt: ZERO DISCRIMINATION

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Der Löwe, Braunschweigs Wappentier, steht für Stärke. Mut und ein lautes Brüllen. Eigenschaften, die auch im Kampf gegen Diskriminierung benötigt werden. So ein Gedanke, der mir nach dem Fachtag ZERO DISCRIMINATION der Deutschen AIDS-Hilfe am vergangenen Freitag und Samstag in Braunschweig hängengeblieben ist. Die DAH hat zu diesem Thema Aidshilfen und Selbsthilfen / Vereine eingeladen, um sich gemeinsam zum Thema HIVbezogene Diskriminierung und die Arbeit / den Umgang damit auseinander zu setzen.

Dr. Janine Dieckmann begann (nach der Eröffnung durch den DAH-Vorstand und ein Grußwort des gastgebenden Hotels) mit der Auseinandersetzung, was Diskriminierung ist. Zusammenfassend lässt sich verkürzen, dass Diskriminierung ein Machtverhältnis einer Gruppe gegenüber einer anderen Gruppe, die in eine zugeschriebene Kategorie geschoben wird, aufrecht erhält und legitimiert. Und dies durch eine illegitime Ungleichbehandlung – durch Herabsetzung und Ausgrenzung. Diskriminierung ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Umso wichtiger ist es, so die (Auf)Forderung von Dr. Diekmann, dass Diskriminierung wieder benannt wird, Betroffene für Diskriminierung sensibilisiert werden (und diese nicht einfach als dumme Äußerung oder ähnliches ab tun) und Fälle aufgezeigt und dokumentiert werden.

Anschließend wurde sich in einer Expert*innenrunde über die Dimensionen der Antidiskriminierungsarbeit von Aidshilfen ausgetauscht. Deutlich wurde, dass es insbesondere im Gesundheitswesen zu vielen Fällen von Diskriminierung kommt. Aber nicht nur dort. Und viele Menschen mit HIV wissen gar nichts über ihre Rechte und Möglichkeiten bei Diskriminierung.  Hier bedarf es der Aufklärung und Begleitung – sowohl auf Seiten der Betroffenen, wie auch auf Seiten beispielsweise von Krankenhäusern etc.

Danach ging es in die Arbeit für alle Teilnehmer*innen. In vier Arbeitsgruppen wurde sich zu unterschiedlichen Aspekte aus den Bereichen Gesundheitswesen, Arbeit und Recht auseinandergesetzt. Im Bereich Arbeit wurden dabei die Projekte „30 Jahre – 30 Partner“ aus Braunschweig und „Ade zur Diskriminierung am Arbeitsplatz“ aus Hamburg vorgestellt. Ebenso wurde über die Arbeitgeber-Deklaration, die von der DAH und Arbeitgebern ausgearbeitet wurde, und deren Möglichkeiten gesprochen. Thema war dabei auch die oft fehlenden Ressourcen, um wirkungsvolle Projekte durchzuführen. Allerdings wurde im Gespräch miteinander auch deutlich, dass es nicht immer nur „große Würfe“ sein müssen, sondern auch kleine Schritte ihren Teil zur Antidiskriminierungsarbeit beitragen. Aus dem Bereich Recht wurde deutlich betont, dass die neue Datenschutzverordnung unser Freund ist und viel zur Antidiskriminierungsarbeit, zum Beispiel bestimmte Markierungen oder die Weitergabe von HIVbezogenen Informationen zu verhindern, beitragen kann.

Am Abend lud die Braunschweiger AIDS-Hilfe die interessierten Teilnehmer*innen des Fachtages in ihre Räumlichkeiten zu einem Get Together ein, was auf große Resonanz traf. Bei Getränken und Snacks wurde weiter diskutiert, sich ausgetauscht und geredet. Die herzliche Atmosphäre der Gastgeber*innen trug dazu einen großen Anteil bei.

Am zweiten Tag des Fachtages ging es um die Qualitätsstandards der Antidiskriminierungsarbeit in den Aidshilfen und die Zusammenarbeit zwischen Aidshilfen und Selbsthilfen / Vereine. Dabei wurde sehr deutlich, dass es auch um die Sensibilität in Bezug auf Diskriminierung in den Aids- / Selbsthilfen / Vereinen und um fast schon selbstverständlich gewordene Alltagsdiskriminierung geht. Keine Form der Diskriminierung darf hingenommen werden!

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion ging es um ein Fazit des Fachtages. Dieses möchte ich wie folgt zusammenfassen: Diskriminierung findet auf unterschiedlichen Ebenen statt und muss auf unterschiedlichen Ebenen / in unterschiedlichen Bereichen bearbeitet und besprochen werden – lautstark und immer und immer wieder. Diskriminierung darf keinen Raum mehr bekommen, was auch durch kleine Schritte erreicht werden kann. Beispielsweise, wenn jeder bei sich selbst anfängt und auf sich, seine Äußerungen und sein Verhalten achtet. Dabei müssen Solidarität, Respekt und insbesondere (Mit)Menschlichkeit wieder die gesellschaftlichen Leitgedanken werden.

Auch wir bei pro plus berlin e.V. setzen uns gegen Diskriminierung ein. Aber ich denke, dass wir noch eine Menge (in kleinen Schritten) tun können. Neue Ideen und Vorschläge sind gerne gesehen und werden gerade schon entwickelt!

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