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Flying Condoms

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Am 3. Februar 2018 hatte pro plus berlin e.V. zur Aktion „Flying Condoms“, auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor, aufgerufen und circa 40 Menschen sind diesem Aufruf gefolgt. 

Anlass hierfür war der 10. Geburtstag der EKAF-Studie (Eidgenössische Kommission für Aidsfragen), den wir bei kaltem Wetter auf dem Pariser Platz feierten. Die Redner Michéle Meyer (Aktionskünstlerin und Mitwirkende an der Studie) und Christoph Schaal-Breite (Vorstandsmitglied pro plus berlin e.V.) erklärten die Entstehung des „Swiss Statements“, das zu Anfang als revolutionär, jedoch auch mit der Sorge betrachtet wurde, dass es sich um eine nicht wissenschaftlich haltbare Aussage handele. So wurde Michéle auf der AIDS-Konferenz in Paris sogar von Act Up-Mitgliedern als „Mörderin“ betitelt. Außerdem meinte die UN-AIDS „sie hätte nicht die Ressourcen, um alle mit HIV zu behandeln“! Auch wurde eine willkürliche Informationspolitik gegenüber den Patienten betrieben, da dieses Wissen anscheinend nicht jedem Patienten zur Verfügung stehen sollte. 

Das dies völlig unbegründet war, wissen wir schon lange. Die Studie stützte sich auf den Indiz, dass therapierte HIV-Positive Frauen in  Afrika und Asien ihre Kinder bei der Geburt nicht infizierten.

Michéle Meyer und Christoph Schaal-Breite kritisierten darüber hinaus die Communities, die seit Jahren das Insiderwissen für sich behalten und still sind, anstatt es laut und breit zu kommunizieren. Hat das Kondom noch ein Alleinstellungsmerkmal, wo Schutz durch Therapie und jetzt auch noch PreP dazu gekommen sind? 

Die Ängste und Vorurteile sind unverändert, denn die Information, dass Therapie vor Ansteckung schützt, ist erst bei 10% der Bundesbürger angekommen. Trotz 100%iger Sicherheit wurden Präventionskampagnen bisher nicht angepasst. Die BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) und das BMG (Bundesministerium für Gesundheit) halten weiter am Kondom fest, da es „kein politisches Interesse an der Etablierung von Schutz durch Therapie gibt“ (Aussage eines Politikers). Aktivisten aus den Kampagnen werden „Maulkörbe“ verpasst, wenn sie den Schutz durch Therapie propagieren. Dabei könnten die wissenschaftlichen Erkenntnisse eine Chance sein, Entdiskriminierung und „Entängstigung“ weiter voranzutreiben.

pro plus berlin e.V. fordert die BZgA und das BMG auf:

  • Passen Sie endlich die Präventionsbotschaften an! (Schutz durch Therapie ist nicht nur für Homosexuelle interessant)
  • Orientieren Sie sich an aktuellen wissenschaftlichen Kenntnissen!
  • Setzen sie endlich TasP dem Kondom gleich!
  • Kommunizieren sie, dass beim Knutschen, Fummeln und Sex keine Infektionsgefahr besteht!
  • Betreiben Sie endlich konsequente HIV-Politik!
  • Gewähren Sie Zugang zu Informationen, Prävention und Therapie für alle!

Obwohl Schutz durch Therapie wissenschaftlich belegt ist, wird noch immer als Prävention Nr. 1 das Kondom propagiert, dicht gefolgt von der Einnahme der PrEP (Präexpositionsprophylaxe). Hier muss ein Umdenken stattfinden.

Denn pro plus berlin e.V. will nicht in 10 Jahren wieder erinnern und dann Pillen fliegen lassen … 

mit freundlicher Unterstützung…

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